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Kennen Sie sich mit Proteinen aus?

Wenn ich mich mit Hundebesitzern über die Qualität von Fertigfutter unterhalte, fällt mir auf, dass sie sehr auf den Proteingehalt des Futters achten, also auf der Futtertüte nach der Proteindeklaration schauen. Um verschiedene Futtermarken zu vergleichen, kann die Information über den Proteingehalt schon wertvoll sein, aber leider wird dabei eine sehr wichtige, grundsätzliche Information vergessen, die nicht auf dem Etikett steht.

Wenn Sie das Futter beurteilen wollen, müssen Sie mehr wissen als den Proteinanteil in Prozent. Sie müssen die Qualität des Proteins kennen!

Eiweiß setzt sich aus verschiedenen Bausteinen zusammen, den Aminosäuren. Es gibt zwei Arten von Aminosäuren - diejenigen, die vom Körper selbst hergestellt werden, und diejenigen, die über die Nahrung bereits fertig geliefert werden müssen. Letztere nennt man essentielle Aminosäuren (sie müssen zwingend mit dem Futter geliefert werden, damit der Körper funktionieren kann), die anderen sind die nicht essentiellen, sie werden vom Körper selbst produziert. Je mehr essentielle Aminosäuren in einem Protein enthalten sind, desto höher ist der Nährwert des Proteins. 

Hunde und Katzen brauchen 22 Aminosäuren, um gesund zu bleiben. Hunde können selbst 12 von den 22 selbst herstellen, Katzen nur 11. Die übrigen Aminosäuren müssen aus dem Futter kommen. Dabei sind Qualität und Quantität des Proteins extrem wichtig für unsere Haustiere - beide sind Basis ihrer Gesundheit.

Was ist eine hochwertige Proteinqualität?

Proteinqualität variiert stark. Da gibt es hochverdauliche Proteine (Proteine, die der Körper Ihres Tieres leicht absorbieren und gut verwerten kann), und es gibt Proteine, die gänzlich unverdaulich sind, z.B. Schnäbel, Füße, Schwänze, Häute. Diese bestehen zwar zu 100% aus Protein, sind aber nicht verdaulich.

Proteine werden qualitätsmäßig eingestuft nach der Anzahl der essentiellen Aminosäuren, die sie liefern. Diese Bewertung nennt man biologische Wertigkeit. Kein Protein enthält mehr essentielle Aminosäuren als Eiprotein, also wird es mit einer biologischen Wertigkeit  von 100 bewertet. Milchprotein mit 93, Fisch mit 92. Die hohe Wertigkeit des Eiweißes wundert nicht, aus einem Ei wird ja einmal ein kompletter Organismus. Eiprotein ist also hochwertiges Protein, ebenso Milcheiweiß, was ebenfalls logisch ist, denn die Muttermilch ist die einzige Nahrungsquelle für ein junges Säugetier. Im Gegensatz dazu haben Federn, wie Sie sich vielleicht denken können, eine biologische Wertigkeit von 0, bestehen also aus Protein, sind aber unverdaulich. 

Es gibt noch ein paar weitere proteinreiche Nahrungsmittel, die für Hunde und Katzen keine artgerechte Ernährung darstellen. Soja ist ein gutes Beispiel, mit einer biologischen Wertigkeit von 67. Viele Fertigfutter enthalten Soja als Proteinquelle, ebenso Mais. Das Füllen der Fertigfutter mit Soja, Mais und Co. ist eine sehr preiswerte Möglichkeit für die Futtermittelhersteller, auf dem Etikett einen hohen Proteinanteil auszuweisen. Leider werden Verdaulichkeit und Nährstoffaufnahme bei Haustierfutter nicht gemessen, deshalb können die Hersteller so einfach minderwertige Proteine ohne biologischen Nutzen in das Futter geben. Der Verbraucher wird getäuscht - er nimmt an, ein Futter mit hohem Proteinanteil zu kaufen, in der Realität sind die Proteine aber für das Tier nicht oder kaum verwertbar. Soja und Mais sind keine artgerechten Futtermittel, deshalb bitte nicht füttern!

Proteine beim älteren Tier

Der Bedarf an hochwertigen Proteinen steigt beim älteren Tier. Auch Hunde und Katzen mit Nierenproblemen brauchen hochwertiges Protein - entgegen der landläufigen Meinung. Studien von Dr. Finco haben 1992 festgestellt, dass bei Tieren mit Nierenerkrankungen eine proteinreduzierte Diät keinen gesundheitlichen Nutzen brachte. Im Gegenteil, es kam zu Muskelschwund und Gewichtsverlust. Je mehr Protein aus dem Futter genommen wurde, desto kränker wurden die Tiere. Dr. Finco entdecke übrigens, dass der Phosphoranteil im Futter die Nierenerkrankungen verschlimmerte, nicht das Protein. Seitdem hat sich zum Glück die Lehrmeinung geändert. Man empfiehlt bei Leber- und Nierenunterfunktion hochverdauliches, hochwertiges Protein in der Diät sowie die Reduzierung des Phosphoranteils.

Stoffwechsel ohne Stress

"Artgerechte Fütterung" bedeutet, dass die Nahrung reich an hochwertigen Proteinen und Fetten in ihrer natürlichen Form ist! Damit kommt der Stoffwechsel von Hunden und Katzen am allerbesten zurecht. Dehydrierung und hohe Erhitzung verändern Nahrungsmittel und entziehen ihnen die Feuchtigkeit (von über 70% auf 6 - 12 %). Nieren und Leber werden belastet wegen der andauernden Dehydrierung. Hunde und insbesondere Katzen müssen große Mengen Wasser trinken, um die Dehydrierung auszugleichen. Dies kann den Stoffwechsel der Organe sehr belasten, insbesondere wenn eine Rassedisposition für bestimmte Erkrankungen vorliegt oder sich altersbedingt Veränderungen einstellen. Nahrungsmittel in natürlicher Form, mit ausreichend Feuchtigkeit, stellen hochwertige Proteine für optimale Verdauung und Nährstoffaufnahme zur Verfügng.

Sorgen Sie für abwechslungsreiches, frisches Futter mit hochwertigen Proteinen, dann können Sie sicher sein Ihr Tier mit allem zu versorgen, was es braucht.


Finco DR, Brown SA, Crowell WA, Duncan RJ, Barsanti JA, Bennett SE. Effects of dietary phosphorus and protein in dogs with chronic renal failure. Am J Vet Res. 1992 Dec;53(12) 2264-2271. PMID: 1476305.

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