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Kalzium und Phosphor – wieviel? Immer im richtigen Verhältnis?

Einer der Hinderungsgründe, Hunde und Katzen roh zu füttern, ist die irrige Annahme, dass eine ausgewogene Ernährung eine exakte Wissenschaft ist, und dass man jede Mahlzeiten genau berechnen muss. Insbesondere wird das richtige Verhältnis von Kalzium und Phosphor im Futter immer wieder nachgefragt. Wieviel Kalzium soll man füttern? Wie erreicht man das richtige, ausgewogene Verhältnis zwischen Kalzium und Phosphor (Ca : P)?

Fleisch hat viel Phosphor, dessen Hauptaufgabe die Erhaltung von Knochen und Zähnen ist, außerdem spielt es eine wichtige Rolle bei der Verstoffwechselung von Kohlehydraten und Fetten und bei der Synthetisierung von Eiweiß für Wachstum und Erhaltung von Zellen. Es ist auch erforderlich für die Produktion von ATP, einem Molekül für die Energiespeicherung. Phosphor arbeitet mit B-Vitaminen zusammen, es assistiert bei der Muskelkontraktion, der Nierenfunktion, bei der Herztätigkeit und der Leitfähigkeit von Nervenbahnen.

Knochen haben einen hohen Kalziumgehalt. Bekanntermaßen spielt Kalzium deshalb eine wichtige Rolle beim Aufbau der Knochenstruktur, kontrolliert aber auch Muskel- und Nervenfunktionen und steuert das Säure-/Basengleichgewicht im Blut. Hohe Mengen an Phosphor und Phytinsäure, vor allem im Getreide enthalten, hindern übrigens die Aufnahme von Kalzium, daher sind Fertigfutter sehr hohe Kalziummengen zugesetzt. Wiederum kann ein Überangebot an Kalzium zu Phosphormangel bzw. verminderter Phosphoraufnahme führen.

Generell werden die Mineralien aus Knochen oder aus reinen Kalziumquellen sehr gut vom Körper absorbiert, wohingegen das Kalzium aus pflanzlichen Quellen weniger gut verdaut wird. So sind z.B. nur 30 % des Kalziums in Getreide für den Körper verfügbar.

Bitte gehen Sie nicht davon aus, dass Ihr Haustier mit Milchprodukten ausreichend versorgt ist. Hunde und Katzen brauchen so hohe Mengen von Kalzium, dass die Menge in Milchprodukten gerade dazu ausreicht, den Phosphoranteil in der Milch auszugleichen, nicht aber die hohen Phosphorwerte aus Fleisch und Getreide.

Als optimales Verhältnis gilt 1,2 bis 1,4 Teile Kalzium zu einem Teil Phosphor für Hunde, für Katzen ist ein Verhältnis von 1 : 1 besser.

Dazu muss man aber auch wissen, dass ein Hunde- oder Katzenorganismus sehr flexibel  und anpassungsfähig ist, und dass nicht jede einzelne Mahlzeit ausgeglichen sein muss. Die Werte sind ein grober Anhaltspunkt, und so sagt auch Meyer/Zentek zum Thema:

Aus den Versorgungsempfehlungen ist abzuleiten, dass in Abhängigkeit vom Alter der Hunde ein Ca: P-Verhältnis von 1,3 bis 2: 1 im Futter eingehalten werden sollte. Mäßige Abweichungen von diesen Relationen werden ohne Nachteile toleriert, wenn die absolut notwendigen Mengen zur Verfügung stehen.

Meyer, Helmut; Zentek, Jürgen (2013-08-21). Ernährung des Hundes: Grundlagen – Fütterung – Diätetik (German Edition) (Kindle Locations 2308-2310). Enke. Kindle Edition.

Vor einigen Jahren lag die empfohlene Kalziummenge noch wesentlich höher als heute. Seit 2006 gelten neue Empfehlungen des NRC (National Research Council), danach braucht z.B. ein Hund im Erhaltungsstoffwechsel 50 mg Ca/kg Körpergewicht ^0,75/Tag.

Knochen liefern viel Kalzium, und mit der Knochenfütterung erreichen Sie auf natürliche Art den Ausgleich zum Phosphor.

Knochen sollten etwa 5 % (blanke Knochen)* bzw. 10-15 % (rohe, fleischige Knochen) der Gesamtration ausmachen. Ab einer Menge von 20 % steigt die Gefahr einer Verstopfung! Falls Sie keine Knochen füttern möchten, oder Ihr Tier sie nicht verträgt, können Sie gewolfte oder gemahlene Knochen füttern oder durch Nahrungsergänzungsmittel die Kalziumversorgung sicherstellen.

Also gibt es gar nicht viel zu rechnen. Lassen Sie sich eine Rationsberechung für Ihr Tier von einem kompetenten Ernährungsberater machen. Damit stellen Sie sicher, dass Ihre Fütterung ausgewogen ist und den Bedarf des Tieres an allen Nährstoffen deckt.


 

* Beutetiere, z.B. Kleinnager, haben einen blanken Knochenanteil von ca 4 -7 %. So gibt die Natur bzw. die evolutionär entwickelte Nahrung des Hundes und der Katze die Vorgabe.

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