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Gefahr durch Bakterien im rohen Fleisch?

Manche Hunde- und Katzenhalter füttern kein rohes Fleisch, da sie fürchten ihr Tier, sich selbst oder die Familie könnten durch Kontakt mit Salmonellen oder anderen pathogenen Keimen wie Listeria oder E.coli infiziert werden.

Ist die Angst begründet?

"Rohfütterung ist wegen der Bakterienbelastung gefährlich"- diese generelle Aussage hat einen nur wenig begründeten Hintergrund. Tierhalter nehmen oft an, dass das, was für Menschen gefährlich ist, auch automatisch genauso schädlich ist für das Tier. Bekanntermaßen kann rohes oder nicht durchgegartes Hühnerfleisch bei uns Menschen zu Salmonellenvergiftungen führen, aber kaum jemand denkt darüber nach, ob es sich beim Tier genauso verhält. Tierärzte nutzen dieses Argument oft, um Ihre Kunden vom Trockenfutter zu überzeugen (welches sie ja auch oft selbst verkaufen - ein Schelm, der Böses dabei denkt).

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Was sind die Fakten?

Kontrollen des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit ergaben 2013 hohe Kontaminationsraten des Geflügelfleisches von etwa 50 % mit potentiell krankmachenden Keimen (Campylobacter, Multi-resistente Staphylococcus aureus (MRSA), ESBL/AmpC-bildende E. coli, Salmonellen)!

Daraus lässt sich schließen, dass auch viele Fleischrationen in der Rohfütterung von Hunden und Katzen kontaminiert sind. Warum werden dann unsere roh gefütterten Haustiere nicht krank davon?

Die wichtigsten Gründe:

  • Menschen sind durch den verstärkten Verzehr von gekochten und hoch verarbeiteten Lebensmitteln nicht mehr in der Lage mit einer Vielzahl in der Umwelt vorkommenden Keimen zurechtzukommen. Wir tendieren dazu, unsere Haustiere auch im Bezug auf die Ernährung zu vermenschlichen und vergessen, dass sie andere Nahrungsmittelbedarfe haben, über bessere natürliche Abwehrmechanismen verfügen und physiologisch dafür prädestiniert sind, rohes Fleisch zu verdauen - im Gegensatz zu uns Menschen.
  • Menschen sind die einzigen Lebewesen, die ihre Lebensmittel kochen. Mutter Natur hat alle Tiere perfekt mit Fähigkeiten ausgestattet, rohe Nahrungsmittel zu verdauen und sich damit gesund zu entwickeln.
  • Der niedrige pH-Wert im Hundemagen (= starke Magensäure) ist bestens dafür geeignet, mit der Nahrung aufgenommene Keime zu zerstören. Jeder unserer Hunde nimmt beim Spaziergang mal dubiose Dinge auf (Aas, Kot, Abfälle etc.), die uns Menschen vermutlich umbringen würden. Wenn keine Toxine gefressen werden, kommt es schlimmstenfalls zu einer kurzen Durchfallattacke, meist passiert aber nichts.
  • Hundespeichel hat antibakterielle Eigenschaften durch seine Inhaltsstoffe Lysozym, Peroxidase und Immunglobulin A. ** Es gibt ein französisches Sprichwort: “Langue de chien, langue de médecin” - eine Hundezunge ist eine Doktorzunge.
    • Das Enzym Lysozyme zerstört Bakterienzellwände
    • Peroxidase ist bekannt dafür, dass es Pflanzen hilft sich gegen Bakterien zu wehren
    • IgA (Immunoglobulin A), attackiert die Bakterien direkt
  • Der Verdauungstrakt des Hundes ist viel kürzer als beim Menschen. Bakterien haben nicht viel Zeit, sich im Darm anzusiedeln. Innerhalb eines Tages nach der Aufnahme werden Bakterien ohne dem Hund Schaden zuzufügen ausgeschieden. Das bedeutet allerdings, dass JEDER Hundekot, egal wie der Hund gefüttert wird, pathogene Bakterien enthält. Man schätzt, dass in einem einziges Gramm Hundekot ca. 23 Millionen Fäkalbakterien enthalten sind. Hier besteht natürlich Infektionsgefahr, aber das Problem liegt hierbei bei den ignoranten Hundebesitzern, die die Haufen nicht entfernen.

Im Jahr 2010 hat übrigens kontaminiertes Trockenfutter zu einer Salmonellenepidemie in den USA geführt, wobei die Hälfte der betroffenen Fälle Kinder waren. 23.000 Tonnen Trockenfutter wurden zurückgerufen.

Solange Sie die allgemein bekannten Hygienemaßnahmen beim Umgang mit rohem Fleisch in Ihrer Küche beachten, also Hundenapf, Aufbewahrungsgefäße, Küchengeräte nach dem Kontakt mit rohem Fleisch gründlich heiß reinigen, das Fleisch gut gekühlt lagern und zügig verfüttern, und die Hände gründlich waschen, sind sie keiner erhöhten Infektionsgefahr ausgesetzt. Wenn Sie ein Geflügelgericht für die Familie zubereiten, beachten Sie sicherlich  dieselben Vorsichtsmaßnahmen.

 


Quellen:

*https://www.bvl.bund.de/DE/08_PresseInfothek/01_FuerJournalisten/01_Presse_und_Hintergrundinformationen/01_Lebensmittel/2015/2015_03_10_pi_Zoonosen.html

** Breves et al., 2000; Ewe und Karbach, 1993; Young et al., 1994

*** http://pediatrics.aappublications.org/content/early/2010/08/09/peds.2009-3273?sso=1&sso_redirect_count=1&nfstatus=401&nftoken=00000000-0000-0000-0000-000000000000&nfstatusdescription=ERROR%3a+No+local+token

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