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Füttern Sie auch Alligator?

Nein, das ist leider kein Scherz.

Während des diesjährigen Petfood Forum und Petfood Innovation Workshops (Treffen der Futtermittelhersteller) in Kansas City, USA, waren die sogenannten ‚novel‘ (= ungewöhnlich, neuartig) Proteine ein heiß diskutiertes Thema. Dort wie auch auf der Interzoo 2016 präsentierte man den weltweiten Trend zu neuen Proteinsorten und die steigenden Umsatzzahlen.

Bis vor wenigen Jahren waren die verbreiteten Proteinsorten in kommerziellem Hundefutter Rind und Huhn – fast jedes Futter beinhaltete mehr oder weniger davon. Im Laufe der Jahre entwickelten jedoch mehr und mehr Hunde Unverträglichkeiten gegen diese Proteine. Neue Proteinsorten mussten her – „Lamm mit Reis“ war die neue hypoallergene Futterquelle, die nun von der Futtermittelindustrie als Diätfutter bei Unverträglichkeiten vermarktet wurde. Ein paar Jahre später sehen wir heute, dass viele Hunde auch kein Lamm mehr vertragen.

Die Futtermittelindustrie ist in Bedrängnis und sucht nach immer neuen, exotischen Proteinquellen – Känguru, Alligator, Lama, Strauß, Emu etc. sind zurzeit ‚in‘, und der Futtermarkt verzeichnet hohe Wachstumsraten mit diesen exotischen Fleischsorten. Aber es geht noch weiter – als neuester Trend wurden auf dem Pet Food Forum 2016 Insekten als Hauptproteinquelle im Hundefutter vorgestellt und angepriesen!

Muss das sein? Wird es bald Hunde geben, die nur noch hydrolisierte Insekten vertragen? Viele Hundehalter mit Allergikerhunden sind verzweifelt auf der Suche nach einem Futter, was ihr von Juckreiz und Verdauungsproblemen gestresstes Tier verträgt.

Was ist eine ‚neue‘ Proteinquelle? Dies ist einfach eine Proteinsorte, die das Tier in seinem Leben noch nie bekommen hat. Dabei ist es egal, ob das nun Ziegenfleisch ist, was vielleicht noch nie gefüttert wurde, oder Lama. Wenn in Australien ein Hund mit Känguru aufgezogen wird, ist dies eben keine neue Proteinquelle für diesen Hund.

Je mehr unsere Hunde sich nun von exotischen Proteinquellen ernähren, desto eher werden sie auch dagegen Futtermittelunverträglichkeiten entwickeln. Dies ist nur eine Frage der Zeit und wird zum Teufelskreis.

Wie ist es zu dieser Entwicklung gekommen? Was sind die Ursachen?

Zu wenig Abwechslung

Nicht selten wird das gleiche Futter über Jahre gefüttert, tagein, tagaus. Damit wird das Tier exzessiv und wiederholt einer bestimmten Proteinsorte ausgesetzt. Dass dies ein Problem ist, zeigen Statistiken, die nach regionalen Faktoren ausgewertet wurden. So sind Hunde in den USA häufiger gegen Sojaproteine allergisch, da dort Soja in fast jedem Futter zu finden ist. In Großbritannien vertragen viele Hunde kein Lammfleisch, was dort häufig im kommerziellen Futter enthalten ist.

Zusatzstoffe und Verarbeitung

Chemische Zusatzstoffe wie Konservierungs-, Farb- und Lockstoffe fördern Unverträglichkeiten zusätzlich. Es gibt immer wieder Hunde, die auf so gut wie jedes kommerzielle Futter allergisch reagieren – einschließlich der sogenannten hypoallergenen Futter.  Erhalten die Tiere jedoch die gleiche Proteinsorte in vom Hundehalter selbst zubereiteter Form, also als frisches Fleisch im Rahmen einer BARF-Ernährung, vertragen sie sie einwandfrei. Dies scheint zum einen an den Zusatzstoffen in kommerziellen Futtersorten zu liegen, andererseits aber auch am Extrudieren und Pelletieren des Fertigfutters. Durch diese Prozesse der hohen Erhitzung von Proteinen und Kohlenhydraten werden die Eiweißverbindungen verändert („Maillard-Reaktion“), und eine allergene Wirkung entsteht.

Der pH-Wert im Verdauungssystem

Normalerweise herrscht im Hundemagen ein sehr saures Milieu, d.h. eine sehr starke Magensäure bereitet die Nahrung optimal vor für die weitere Verdauung im Darm. Bei mit kohlenhydratreicher Kost gefütterten Hunden (Fertigfutter) ist der pH-Wert im Verdauungssystem wesentlich höher, das Milieu verschiebt sich und beeinträchtigt die Verdauung. Chronische Verdauungsstörungen und auch eine geschädigte Bauchspeicheldrüse, die nur unzureichend Enzyme produziert, können zu einer Schädigung der Darmschleimhaut führen, Entzündungsprozesse und eine Schädigung des Darmimmunsystems kommen hinzu. Zu große, unzureichend verdaute Nahrungsmoleküle können nun in den Blutkreislauf gelangen, werden als Schadstoffe klassifiziert und bekämpft, mit dem Resultat einer gestörten Immuntoleranz.

Der Kreislauf beginnt

Dann, wenn der Hund dauernd weichen Kot oder Durchfall hat oder sich kratzt, also Zeichen einer Unverträglichkeit zeigt, ist die Unsicherheit groß, was zu tun ist. Üblicherweise befragt der Hundehalter dann eine(n) Verkäufer/in einem Futtermittelmarkt. Die generelle Empfehlung ist logischerweise, eine andere Proteinsorte auszuprobieren. Nach kurzer Zeit wird dieses Futter aufgrund des geschädigten Darms auch wieder nicht vertragen, es kommt in der Folge zu multiplen Futtermittelunverträglichkeiten. Also wird wieder gewechselt, die Zeiträume der Verträglichkeit werden immer kürzer, und bald verträgt der Hund gar nichts mehr. Sekundäre Krankheitsbilder tauchen auf – pathogene Keime und Hefepilze im Darm, Infektionen von Haut, Ohren, Pfoten und starker Juckreiz.

Was tun?

Neben einer Ausschlussdiät – siehe Blogbeitrag "Die 5 Erfolgsfaktoren einer Ausschlussdiät" - sollten eine Darmsanierung, die individuelle Unterstützung mit Nahrungsergänzungen  und eine naturheilkundliche Therapie der sekundären Infektionen erfolgen. Lassen Sie sich beraten und warten Sie nicht zu lange ab, wenn Ihr Tier Symptome einer Futtermittelunverträglichkeit zeigt. Das Ausprobieren verschiedenster Futter bringt in der Regel nichts, solange die Ursache nicht entdeckt und eliminiert ist. Der Leidensdruck im Kreislauf der Futtermittelunverträglichkeiten ist für alle Beteiligten groß. Auf exotische Fleischsorten kann in der Regel, wenn die gesundheitlichen Schäden noch nicht zu stark manifestiert sind, verzichtet werden.


 

http://www.petfoodindustry.com/articles/5767-video-crickets-becoming-new-protein-source-in-pet-treats

http://www.petfoodindustry.com/articles/5809-novel-proteins-in-dog-cat-food-continue-to-grow

http://www.petfoodindustry.com/articles/5896-nutrient-rich-novel-pet-food-ingredient-trends

A case-control study of risk factors for canine atopic dermatitis among boxer, bullterrier and West Highland white terrier dogs in Sweden.,"/pubmed/17845618","Nødtvedt A, Bergvall K, Sallander M, Egenvall A, Emanuelson U, Hedhammar A.","Vet Dermatol. 2007 Oct

 

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