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Fett ist nicht das Problem!

Fett hat einen schlechten Ruf bei der Ernährung im Humanbereich, aber bei Hund und Katze kann es in der richtigen Menge und Qualität einen immens positiven Einfluss auf Gesundheit und Ausdauer haben.

Ernährungsdogma Fett

Ein Artikel aus dem Time Magazin über Amerikas ‚Krieg gegen Fett‘ ist sehr lehrreich in Bezug auf menschliche Ernährung und die unserer Haustiere. In den 70-er Jahren hatte man festgestellt, dass Fette und Cholesterin verantwortlich waren für die zahlreichen Herzerkrankungen in den USA. In den 80-er Jahren war dann der Krieg gegen Fett entfacht, und die Amerikaner wurden dazu angehalten, weniger rotes Fleisch und mehr Kohlehydrate zu essen. Sehr schnell überfluteten fettfreie Produkte die Supermärkte.  Und die Leute aßen weniger Butter, Eier und rotes Fleisch, dafür mehr Margarine, Nudeln, Zucker und Getreideflocken. Das Ergebnis war, dass die Amerikaner immer dicker und kränker wurden.

Neue Studien zeigen heute, dass es keine Verbindung gibt zwischen gesättigten Fetten und Herzerkrankungen. In Wirklichkeit sind große Mengen Kohlehydrate ein größeres Problem. Nach dem Verzehr von Kohlehydraten schüttet (beim Menschen wie beim Tier) die Bauchspeicheldrüse Insulin aus, um zur Energiebereitstellung Glukose in die Zellen  zu transportieren. Wenn mehr Glukose vorhanden ist, als der Körper im Moment braucht, hilft Insulin dabei, die Glukose in Fett umzuwandeln und in Fettzellen zu speichern.

Weil die Kohlehydrate schnell in Glukose umgewandelt werden, und Insulin sehr schnell Glukose aus dem Blut entfernt, werden wir schnell wieder hungrig. Dies führt wiederum zur erneuten Nahrungsaufnahme, der Kreislauf beginnt. Doch nicht nur das, die hohen Insulinwerte im Blut machen die Zellen resistent für Insulin. Dann entsteht Diabetes, eine zunehmend weit verbreitete Erkrankung bei Menschen, Hunden und Katzen.

Trotzdem meinen einige Tierärzte  immer noch, dass Hunde- und Katzenfutter viele Kohlenhydrate haben sollte. Und die Fettsucht – ‚Epidemie‘ geht weiter.

Dabei lässt man völlig außer Acht, wie wichtig Fett für den Stoffwechsel von Hund und Katze ist.

Die Fähigkeit, größere Fettmengen zu speichern, scheint bei den meisten Hunderassen vorhanden zu sein und ist, sofern nicht durch bewusste oder unbewusste Selektion in einzelnen Rassen verändert, vermutlich ein Erbe aus der Zeit vor der Domestikation. Der Stammvater des Hundes, der Wolf, der mit temporär variierendem Nahrungsangebot leben musste, hatte zweifellos größere Überlebenschancen, wenn er in Zeiten mit überschüssigem Nahrungsangebot Fettreserven anlegen konnte.

Meyer, Helmut; Zentek, Jürgen (2013-08-21). Ernährung des Hundes: Grundlagen – Fütterung – Diätetik (German Edition) (Kindle Locations 509-513). Enke. Kindle Edition.

Fett = Energie

Fett ist primär Energiespeicher und -lieferant für den Körper unserer Haustiere. Hunde und Katzen können Kohlenhydrate als Glykogen nur bedingt zur Energieversorgung in der Leber speichern, können aber extrem viel Energie in Form von Körperfett speichern.

Neuere Studien zeigen markante Unterschiede zwischen dem, was ein menschlicher Athlet braucht, verglichen mit den 4-beinigen Athleten. Eine Studie von Kronfeld* weist nach, dass die Muskeln von Hunden Fett als Energielieferant nutzen und keine Glukose! Diese Erkenntnis steht in krassem Widerspruch zu den Hauptbestandteilen von Fertigfutter, die durchschnittlich zwischen 45 und 50% aus Kohlehydraten bestehen (getreidefreie Sorten eingeschlossen). Kohlenhydrate sind nicht nur ein schlechter Energielieferant für Hunde, sie sind sogar nachteilig bei verstärkter Muskelbeanspruchung, da sie sofort in Milchsäure umgewandelt werden und damit verkrampfend auf den Muskel wirken.

Menschliche Sportler nehmen vor einem sportlichen Einsatz verstärkt Kohlenhydrate zu sich, um ‚die Batterien aufzuladen‘, und tun dies auch während Langzeitbelastungen. Hunde haben einen völlig anderen Muskelstoffwechsel und damit auch andere Bedarfe, wie sich auch leicht aus ihrer ursprünglichen Ernährungsweise ablesen lässt. Fett transportiert 2 mal soviel Wasser wie Proteine oder Kohlenhydrate, was ideal ist bei aktiven Sport- oder Arbeitshunden. Es hat auch doppelt so viele Kalorien, was auch wichtig bei körperlichen Belastungen. Fett ist bei Hunden der Schlüssel für Ausdauer, Kraft und schnelle Erholung nach Anstrengung.

Fett hat viele Funktionen

Die oben erwähnten Fettspeicher schützen den Körper vor Wärmeverlust aber auch vor Verletzungen. Eine Fettschicht unter der Haut bietet zusätzlich Schutz vor Verletzungen, Wasser- und Wärmeverlust. Fett hat auch eine Schutzfunktion bei den Nervenfasern und hilft Nervenimpulse zu leiten. Einige Fette sind Teil der Zellmembranstruktur und helfen Nährstoffe durch die Zellmembran zu bewegen. Fettlösliche Vitamine benötigen Fettsäuren als Trägerstoff. Cholesterin wird vom Körper zur Herstellung der Galle und als Ausgangsstoff für die Herstellung von einigen Hormonen genutzt.

Was heißt das nun für den Alltag?

Wenn Ihr Hund Gewicht verliert, das Fell stumpf oder trocken ist, der Hund lustlos ist, könnte man evtl. auf den Gedanken kommen, Kohlenhydrate dem Futter zuzusetzen. Doch eigentlich sollte man den Fettanteil in der Nahrung überprüfen! Fett in der Form von Kokosöl (siehe auch:  http://beute-konzept.info/kokosoel-und-kokosflocken), Fischöl (siehe auch: http://beute-konzept.info/die-unverzichtbaren-vorteile-von-fischoel/), oder Proteinquellen mit höherem Fettanteil können Ihrem Hund helfen das Gewicht zu halten, ein schönes Fell zu bekommen und die Mobilität zu erhalten bzw. diese zu verbessern.

Oft kommt es bei der Umstellung auf frisches Futter erst mal zu einem Gewichtsverlust. Ursache ist, dass, ausgehend von der menschlichen Ernährung, meist zu mageres Fleisch gefüttert wird. Oftmals findet man leider keine Angabe zum Fettgehalt des Fleisches und muss sich auf die Optik verlassen. Das Fleisch sollte gut marmoriert sein oder einen großen Fettrand haben. Wenn Sie nur mageres Fleisch bekommen können,  gibt man ganz einfach Fett hinzu. Man kann für diesen Zweck Geflügel- oder Lammfett, Pferdefett, Rindertalg oder – siehe oben – Kokosöl einsetzen.

Empfohlene Fettanteile von der Gesamtfuttermenge sind, je nach Aktivität:

Beim Hund:
15-25 % Fett

Bei der Katze:
10-20 % Fett

Wie immer gilt: das Tier und das Gewicht des Tieres genau beobachten und gegebenenfalls den Fettanteil anpassen!

 


* Optimal Nutriton for Athletic Performance, with Emphasis on Fat Adaptation in Dogs and Horses
DAVID S. KRONFELD*3 PAMELA L. FERANTE* AND DOMINIQUE GRANDJEANÕ
„Department of Animal Science, Virginia Polytechnic Instiute and State Uniuersity, Blacksburg, VA
24061-0306, and tEcole VétérinaireNational D’Alfort, 9470 Maison Alfort, France

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